Fakenews – Ein Abend bei den Networkern NRW

FakenewsVergangene Woche war ich bei einer Veranstaltung der Networker NRW. Das IT-Netzwerk veranstaltet regelmässige Social Media Abende. Thema waren diesmal Fakenews.

Ein Thema, das auch in Großeinsatzlagen immer wieder relevant ist. In kritischen Situationen werden unglaublich viele Inhalte in den Sozialen Medien gepostet. Es wird diskutiert, Fotos , Videos und Livestreams werden ins Netz gestellt, Hilfsangebote werden dort gemacht und es werden – absichtlich oder unwissentlich –  Fakenews erstellt oder geteilt. Fakenews können sogar dazu führen, dass sie enorme Auswirkungen auf die Lage haben. Ein gutes Beispiel dafür ist der Amoklauf in München im Juli 2016. Insofern interessierte mich das Thema sehr und ich hab dort noch mal einen neuen Blick auf Fakenews gewonnen, den ich hier mit Ihnen teilen möchte.

Die Veranstaltung

Unter dem Titel “Alles nur gefaked? Von Fakten und falschen Tatsachen” haben sich spannende Referenten versammelt: Jürgen Hülsbeck vom Landeskriminalamt NRW, Matthias Langrock von den Ruhr Nachrichten und Sebastian Fitting, Jurist und Referent bei der eco-Beschwerdestelle.
Moderiert wurde der Abend von Journalistin Ute Korinth und Weinhändler Ralf Barthel.

Fakenews

Herr Hülsbeck vom Landeskriminalamt NRW stellte zunächst dar, was Fakenews überhaupt sind: Fakenews sind vorgetäuschte oder gefälschte Nachrichten, die sich im Internet oft viral verbreiten und somit viele Menschen erreichen. Sie ähneln häufig glaubwürdigem Journalismus, enthalten aber falsche, verdrehte oder aus dem Zusammenhang gerissene Informationen. Das Ziel von Menschen, die Fakenews streuen, ist in der Regel, Menschen zu manipulieren, häufig im Hinblick auf politische Fragestellungen.
Fakenews beeinflussen Menschen und verängstigen sie häufig.

Schwierig ist das, weil laut Aussage von Hülsbeck, Fakenews öfter geteilt werden als die Informationen der Behörden.
So wird es für die Organe, die seriöse Aussagen treffen, schnell schwierig, wenn Menschen ihnen nicht vertrauen. Ein bestimmter Kreis der Bevölkerung glaubt lieber die Fakenews als den Informationen der offiziellen Stellen.

Maßnahmen gegen Fakenews

Hülsbeck zeigte eine Folie, die hilfreiche Anleitungen enthält, mit denen man Fakenews erkennen und bewerten kann:

  • Beachten Sie die Quelle: Wer steckt dahinter, welche Website hat es veröffentlicht?
  • Bewerten Sie die Quellen! Belegen die hinterlegten Links tatsächlich die Nachricht oder führen sie ins Nirwana?
  • Führen Sie eine Autorenprüfung durch.
  • Handelt es sich um eine real existierende Persönlichkeit?
  • Welchem Umfeld ist der Autor zuzuordnen?
  • Achten Sie auf das Datum der Veröffentlichung. (Ältere Nachrichten können überholt sein, auch wenn sie aktuell gepostet werden)
  • Ist es tatsächlich eine ernstzunehmende Nachricht oder ist es evtl. eine Satire?
  • Überprüfen Sie News auch immer auf Fact-Checking-Webseiten (z. B. Mimikama.at)

Fakenews

(nach Jürgen Hülsbeck, LKA NRW)

Diese Regeln sollten von Behörden und der Presse unbedingt beachtet werden, damit sie ausschliesslich seriöse Informationen anbieten. Nur so kann man das Vertrauen der Menschen behalten, bzw. gewinnen, um dann ein Gegengewicht zu falschen Informationen setzen zu können.

Dabei sollten die Behörden auch auf die Bürger einwirken, damit sie keine Fakenews teilen. Die Vermittlung von Medienkompetenz spielt da eine große Rolle.

Umgang der Presse mit Fakenews

Matthias Langrock, Chefredakteur der Ruhr Nachrichten hat anschliessend berichtet, wie sich die Pressearbeit seit den 2010er Jahren verändert hat.

Früher war es nur Presse, Funk und Fernsehen möglich, Informationen an große Empfängergruppen zu teilen. Das hat sich mit dem Internet stark verändert. Über die Sozialen Medien ist es heute jedem möglich, Botschaften an viele Menschen zu senden.
Dennoch gab es auch damals Fakenews; sie nannten sich damals noch “Enten”. Der ein oder andere erinnert sich sicher.
2003 wurden offenbar Fakenews für die Rechtfertigung des Irak-Kriegs herangezogen. Die Tatsache, dass dort angeblich Massenvernichtungswaffen vorhanden war, führte dazu, dass die USA den Krieg im Irak begann. Später stellte sich heraus, dass diese Waffen wohl doch nicht existierten.

Die Presse bildete früher der Sprachkanal zwischen den Behörden und den Bürgern. Da die Behörden keine eigenen Kanäle hatten, waren sie auf die Berichterstattung der Medien angewiesen. Das ist heute durch die Sozialen Medien deutlich anders. Jetzt können Behörden ihre Informationen direkt den Menschen mitteilen.

Langrock erläutert, wie kritisch einige Leser heute sind. Diese suchen in den Presseportalen nach Meldungen und prüfen parallel, ob die Zeitungen diese Infos auch entsprechend berichten. Sobald in den Portalen mehr zu finden ist als in den Zeitungen, wird das oft als Anlass genommen, die Presse als voreingenommen zu beschimpfen und ihr eine gefärbte Berichterstattung zu unterstellen.

Andersrum bemerkt Langrock auch eine Gegenentwicklung: Viele Menschen sind mittlerweile in kritischen Situationen besonnener und haben aus den Ereignissen der Vergangenheit gelernt. Sie haben mittlerweile verstanden, dass es eine solide Berichterstattung nach einer Schadenslage nicht sofort geben kann.

Fünf Thesen: Was müssen Journalisten tun?

Matthias Langrock stellt in der folgenden Folie vor, was Journalisten tun sollten:

  • Journalisten müssen die Herkunft ihrer Informationen so transparent wie möglich machen.
  • Sie dürfen nur berichten, was genügend unabhängige Quellen ihnen bestätigt haben. Ist eine solche Bestätigung nicht zu bekommen, müssen sie auf den Umstand hinweisen, dass die Nachricht nicht ausreichend bestätigt ist.
  • Journalisten müssen ihre Kriterien bei der Nachrichtenauswahl offenlegen. Sie müssen besser erklären, warum sie über bestimmte Nachrichten berichten und über andere nicht.
  • Wenn Fehler passieren, müssen Journalisten sie offenlegen und nicht darauf hoffen, dass sie niemand bemerken wird.
  • Journalisten dürfen ihre Werte und Überzeugungen nicht verleugnen.

Fakenews. Folie Matthias Langrock

(nach Matthias Langrock, Ruhr Nachrichten)

Arbeit der Beschwerdestellen

Jurist Sebastian Fitting vom “eco – Verband der Internetwirtschaft” arbeitet bei der Beschwerdestelle des Verbandes. Hier können alle Bürger Spam-Mails, volksverhetzende oder jugendgefährdende Inhalte aus dem Netz melden.

Die Beschwerdestelle prüft dann, ob ein Straftatbestand vorliegt. Bestätigt sich, dass die Inhalte strafbar sind, werden diese der Polizei zwecks Strafverfolgung gemeldet und anschliessend wird der Provider mit der Löschung der Daten beauftragt.
Letztlich geht es hier immer darum, strafbare Handlungen im Internet verfolgen zu lassen und zu löschen.  

Neben der eco-Beschwerdestelle gibt es noch weitere, z. B. Jugendschutz.net oder auch die “Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter” FSM.

 

Das war ein sehr informativer Abend. Vielen Dank an die Organisatoren, die Speaker und die Moderatoren!

2 Kommentare

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