Twitter – Eine Anleitung für Interessierte aus Krisenstäben & Co.

TwitterMittlerweile dürfte jeder gemerkt haben, dass in Katastrophenfällen sehr viel Kommunikation über die sozialen Netze läuft. Vor allem junge Leute pflegen einen ganz anderen Medienkonsum, als es bei der Masse der Bevölkerung vor 15 Jahren noch der Fall war. Die Information der Bevölkerung muss daher immer breiter aufgestellt werden, um möglichst viele Menschen erreichen zu können.

Gerade in kritischen Situationen fällt auf, dass Twitter ein beliebter Kanal ist, um dort in Schadensfällen schnelle, prägnante Informationen zu bekommen und sich auszutauschen.

Wenn Sie Mitglied eines Krisenstabes sind oder auch verantwortlich dafür, dann ist es für Sie sicher spannend, zu entdecken, wie die Kommunikation über Twitter funktioniert. Daher empfehle ich Ihnen, falls Sie Twitter noch nicht nutzen, sich da mal ranzutasten.
Natürlich läuft die Krisenkommunikation immer über mehrere Kanäle, aber bei Twitter dabei zu sein, schadet definitiv nicht. Wenn Ihre Kommunikationsbeauftragten sich um den professionellen Auftritt Ihrer Organisation kümmern, bekommen Sie mit einem persönlichen Profil einen Einblick in die Plattform und können dort auch im Alltag wertvolle Informationen sammeln.

Nutzerzahlen

2016 hat Twitter erstmals die Zahlen der deutschen Nutzer veröffentlicht. Demnach nutzten zu dieser Zeit um die 12 Millionen Deutschen den Mikrobloggingdienst.

Damit liegt Twitter deutlich hinter den Zahlen von Facebook, die im September 2017 mitteilten, dass Facebook in Deutschland von 31 Millionen Menschen genutzt wird.

Aber der alles entscheidende Unterschied liegt hier: Facebook reduziert immer mehr die Sichtbarkeit von Fanseiten, so dass die Wahrscheinlichkeit, im Nachrichtenverlauf der Menschen aufzutauchen, immer geringer wird. Bei Twitter kann man sich das Ganze so einstellen, dass man wirklich das erhält, was Twitter immer ausgemacht hat: Nämlich kurze, prägnante Informationen in chronologischer Reihenfolge.

Die Stärke von Twitter

Twitter ist ein soziales Netzwerk, in dem man schnell kurze, knackige Infos findet. Hier wird “getwittert”, also es werden kurze Nachrichten verfasst. Diese nennen sich dann “Tweet”.
Früher musste man sich da sehr kurz fassen, denn es standen nur 140 Zeichen zu Verfügung. Seit Herbst 2017 darf man 280 Zeichen verwenden. Nach anfänglicher Skepsis habe ich festgestellt, dass diese Ausweitung dem Nachrichtendienst ganz gut steht. Die Tweets sind immer noch sehr kompakt, aber Inhalte können besser dargestellt werden.

Twitter wird von Privatpersonen, Unternehmen, Medien und sonstigen Organisationen genutzt. Der Großteil der Nutzer hat sein Profil frei zugänglich im Netz stehen. Das heißt, man kann fast allen folgen und somit auch Informationen von Menschen bekommen, die man nicht persönlich kennt. Das ist für mich einer der größten Vorteile bei Twitter: Kontakt zu Menschen zu bekommen, die Themen vertreten, für die ich mich interessiere.

Neue Inhalte finde ich in meiner Timeline, die mir all das zeigt, was die Menschen, denen ich folge, getwittert haben. So nutze ich Twitter zum Beispiel als eine Art Zeitungsersatz und erfahre dort vieles, was durch meine persönliche Auswahl ganz individuell auf mich zugeschnitten ist.

Der große Gewinn von Twitter sind aber die sogenannten Hashtags. Hashtags sind Schlagworte, denen das Rautezeichen ohne Leerzeichen (!) vorgesetzt wird. Mit Hilfe eines Hashtags kann man im Handumdrehen Informationen zu gewünschten Themen finden. Das kann im Krisenfall relevant sein, wenn man alles auslesen will, was zu einem ggf. vorher festgelegten Hashtag getwittert wurde. Im Alltag dienen sie der Recherche oder auch der Unterhaltung. Suchen Sie am Sonntag Abend mal den Hashtag #Tatort bei Twitter, da können Sie sich mit jeder Menge Menschen in Echtzeit über den aktuellen Tatort austauschen.

Gerade für Behörden ist Twitter eine gute Möglichkeit, mit einer Mischung aus seriöser Berichterstattung und auch mal unterhaltsamen Tweets, eine große Folgeschaft aufzubauen. Im Alltag viele Fans einzusammeln, um dann im kritischen Situationen möglichst viele Menschen erreichen zu können, ist eine große Stärke des Netzwerkes.

Ihr Einstieg bei Twitter

Normalerweise rät man immer dazu, eine Strategie für ein Netzwerk zu entwickeln, das man nutzen will. Was sind Ihre Themen, was ist Ihre Zielgruppe, was können die Menschen hier von Ihnen erwarten?
Für den Anfang reicht es vielleicht aus, wenn Sie sich mit ihrer Expertise bei Twitter platzieren, damit Sie dann auch entsprechende Kontakte bei Twitter machen können.
Wir gehen mal Schritt für Schritt vor.

Am besten nutzen Sie für die Einrichtung jetzt PC oder Laptop; bei mobilen Geräten sind die Schritte ggf. etwas anders als im Folgenden beschrieben. Anschliessend können Sie dann die Twitter-App auf Ihr Handy laden und sich dort einloggen, dann haben Sie Ihr Nachrichteninstrument immer dabei.

Einen Account anlegen

Öffnen Sie die Seite von Twitter. Erstellen Sie einen Account, indem Sie eine Mailadresse (oder Telefonnummer) und ein Passwort angeben. Danach fragt Twitter nach Ihrem vollständigen Namen, den Sie eingeben.
Im nächsten Schritt müssen Sie sich einen Nutzernamen überlegen. Der Nutzername trägt immer ein “@” voran und ist der, mit dem Sie sich bei Twitter präsentieren. Überlegen Sie also gut, mit welchem Namen Sie wahrgenommen werden wollen. Ich heiße dort @MaikeKranaster. Nicht überraschend, aber sinnvoll, damit ich gefunden werde. Achten Sie darauf, dass Ihr Name nicht zu lang und kompliziert ist. Bis 15 Zeichen sind okay, aber kürzer ist noch besser.

Twitter wird Ihnen dann Menschen vorschlagen, denen Sie folgen können. Ich empfehle Ihnen aber erst, Ihr Profil zu vervollständigen, bevor Sie auf Tuchfühlung mit anderen gehen.
Geben Sie also in die Browserzeile noch mal www.twitter.com ein und starten Sie dann.

In Ihrem Profil sollten Sie folgende Dinge unbedingt ausfüllen:

  • Ein Profilbild einfügen. Nehmen Sie ein gutes Portrait. Man sieht als Nutzer gerne, mit wem man kommuniziert. Achten Sie darauf, dass Sie über die Nutzungsrechte für das Foto verfügen und es verwenden dürfen.
  • In die “Bio” schreiben Sie das, was Ihre Follower bei Ihnen erwartet. Zu welchen Themen werden Sie twittern? Wer sind Sie? Sie können ganze Sätze schreiben, aber auch mit Hashtags arbeiten. Sind Sie hier geschäftlich unterwegs, sollten Sie das entsprechend beschreiben. Wenn Sie hier aber quasi nach Feierabend und nicht formell für Ihren Arbeitgeber unterwegs sind, dann sollten Sie das in Ihrem Profil klar stellen; ein Beispiel dazu findet sich beim Moderator des Heute Journals Claus Kleber.
  • Wenn Sie eine Website haben, können Sie diese dort eintragen. Ist diese Website geschäftlich, sollten Sie aus rechtlichen Gründen hier den Link zu Ihrem Impressum wählen.

Wenn Sie mögen, ergänzen Sie noch Ihren Wohnort und fügen ein Headerbild ein. (Auch bei diesem Bild bitte unbedingt auf die Nutzungsrechte achten!).

So, jetzt sollte Ihr Profil fertig sein und es kann weiter gehen.

Twittern

Bevor Sie ersten Menschen folgen, setzen Sie ggf. ein paar Tweets ab. Sehr schnell wird der erste, dem Sie neu folgen, ihr Profil anschauen und nachschauen, ob er Sie ebenfalls abonnieren möchte. Und dann finden sich auf Ihrem Profil schon mal ein paar Tweets, die einen Eindruck von dem vermitteln, was von Ihnen zu erwarten ist. Mit etwas Glück haben Sie so schnell die ersten “Follower” an Board.

Sie können zum Beispiel eine Art “Begrüßung” twittern.

Dazu ergänzen Sie am besten noch ein, zwei Tweets, in denen Sie sich damit präsentieren, was die Menschen hier von Ihnen erwarten können. Vielleicht ein Link zu einem interessanten Artikel, Ihrer Reputation oder was auch immer passt.

Schön ist es, immer eine Mischung aus eigenen Inhalten und fremden Inhalten zu teilen. Denn: Ihre Tweets sind dann für andere interessant, wenn Sie twittern, was Ihre Follower interessiert. Bei mir sind das z. B. alle Themen rund um Krisenstäbe, Krisensituationen, Sicherheit, Krisenkommunikation und Digitalisierung.

Nutzen Sie passende Hashtags, damit Sie auch von Menschen gefunden werden, die Sie noch nicht kennen, die sich aber für Ihr Thema interessieren. Sie können den Hashtag entweder in den Text einbinden, so wie im folgenden Tweet, oder auch hinter den Text stellen.

Wenn ein Hashtag gerade viral geht, so wie es beim Sturmtief Friederike der Fall war, sollten Sie diesen Hashtag ebenfalls nutzen, wenn Sie zu diesem Thema twittern. Aber “kapern” Sie keinen unpassenden Hashtag, nur um Reichweite zu erzielen. Sonst werden Ihre Tweets schnell als Spam empfunden.
Was gerade trendet, sehen Sie auf dem großen Bildschirm in der linken Spalte auf der Startseite. Auf mobilen Geräten finden Sie die Trends unter der Suchfunktion (das Lupen-Symbol in der unteren Leiste).

Übrigens kann man einmal gesendete Tweets nicht mehr korrigieren. Löschen ja, aber nicht korrigieren. Also am besten noch einmal drüber lesen, bevor Sie ihn absenden.

Vielleicht wollen Sie aber auch noch gar nichts von sich geben und erst mal schauen, was hier so los ist? Auch okay. Dann kommen wir jetzt zum nächsten Punkt.

Wem folgen?

Vielleicht kennen Sie Menschen, die bei Twitter sind und denen Sie folgen möchten? Prima, dann suchen Sie sie oben in der Suchleiste. Am besten klappt das, wenn Sie deren Nutzernamen – den mit dem @ davor – kennen. Wenn nicht, ist das auch nicht schlimm. Versuchen Sie Ihr Glück einfach und tippen Sie den Namen ein! Sie bekommen dann eine Auswahl angezeigt. Wählen Sie “Personen”, dann sehen Sie nur Personen mit diesem Namen.

Alternativ finden Sie den Twitternamen häufig auch auf den Websites der Unternehmen oder Personen. Dort findet man meist die Social Media Symbole. Wenn Sie den kleinen Twitter-Vogel dort entdecken, klicken Sie drauf und schon befinden Sie sich auf dem entsprechenden Twitter-Account, wo Sie dann folgen können.

Wenn Sie Akteure rund um die Themen Katastrophenschutz, Krisenstäbe und Sicherheit suchen, dann habe ich folgende Tipps für Sie:

Und ansonsten: Suchen Sie nach Hashtags, die Sie interessieren, da werden Sie auch den ein oder anderen finden, der interessante Dinge postet.

Wenn Sie nun erst mal einigen Menschen folgen, finden Sie unter “Startseite” Ihre Timeline, also die Posts der Menschen, denen Sie nun folgen. Je mehr Accounts Sie folgen, desto mehr spannende Inhalte werden Sie in Ihrer Timeline finden.

Damit die Ansicht der Tweets wirklich weitestgehend chronologisch ist, müssen Sie noch eine Einstellung vornehmen. Wenn Sie mit der Maus auf Ihr Profilbild oben rechts auf dem Bildschirm fahren, finden Sie dort “Einstellungen und Datenschutz”. Unter “Account” und dann “Inhalt” müssen Sie den Haken bei “Die besten Tweets zuerst anzeigen” entfernen.

Interagieren auf Twitter

Aber neben dem reinen Konsumieren ist es ja auch interessant, mit anderen in Kontakt zu kommen. Im Folgenden erläutere ich Ihnen, wie Sie das anstellen.

Acoounts ansprechen

Wenn Sie mit anderen in Kontakt kommen wollen, sprechen Sie sie mit einem Tweet direkt an. Das funktioniert, indem Sie den Nutzernamen des anderen verwenden, also z. B. meinen Nutzernamen @MaikeKranaster in Ihren Text einbauen.
Das gleiche gilt übrigens, wenn Sie über jemanden twittern. Dann markiert man ihn ebenso mit dem Nutzernamen im Tweet.

Möglicherweise entdecken Sie in Ihrer Timeline einen Tweet, auf den Sie gerne antworten wollen. Dazu klicken Sie auf die Sprechblase unter dem Tweet, dann öffnet sich ein Feld, wo Sie eine Antwort formulieren können.
Übrigens können Ihre Antworten von allen gesehen werden. Das erfordert vielleicht zu Beginn etwas Überwindung. Aber so leicht kommen Sie sonst nicht mit spannenden Menschen in Kontakt.

Retweeten

Am liebsten mögen alle den “Retweet”. Mit dem doppelten Pfeil unter dem Tweet streuen Sie diesen an Ihre Followern. So können Sie wertvolle Informationen mit Ihren Lesern teilen. Darüber hinaus ist es eine schöne Anerkennung für den Autor.


Dabei kann man entweder nur einen normalen Retweet ohne weitere Ergänzung absetzen oder man ergänzt einen Kommentar. Ich finde es meist ganz schön, einen Retweet mit einem kurzen Kommentar einzuleiten.

Vor allem im Krisensituationen ist der Retweet – oder auch RT, wie er oft abgekürzt wird – ein gutes Instrument, um wichtige Informationen mit seinen Followern zu teilen. So hat zum Beispiel der Account von Twitter Deutschland zum Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin im Dezember 2016 auf den Twitter-Account der Polizei Berlin verwiesen. Besser kann es für die zuständige Behörde nicht laufen!


Für alles, was Ihnen gefällt, was Sie aber nicht mit Ihren Followern teilen möchten, lassen Sie ein Herzchen da. Das Herz unter dem Tweet entspricht in etwa der Funktion “Gefällt mir” bei Facebook.

Direktnachricht

Das vierte Symbol, der Briefumschlag, ist dann hilfreich, wenn Sie eine persönliche Nachricht an die Person senden wollen, die andere nicht sehen sollen. Diese Funktion wird meiner Erfahrung nach eher selten genutzt. Sie entspricht eigentlich einer Messenger-Funktion wie Whats App u. a.

#FollowFriday

Zuletzt gibt es noch den sogenannten #Followfriday, meist als #ff angekürzt. Hiermit empfiehlt man am Freitag Accounts bei Twitter, die man selber schätzt und erzeugt so einen Mehrwert für andere. Zum Einen findet der vorgestellte Account mit etwas Glück neue Follower und zum Anderen finden Ihre Follower neue, interessante Accounts. Eine gute Win-Win-Situation für alle.

Also, los geht`s!

So, das war meine kleine Einführung in Twitter. Jetzt kennen Sie die wichtigsten Funktionen auf Twitter und sollten für ein erstes Ausprobieren gerüstet sein.

Ich bin gespannt, ob Sie es wagen! Wenn ja, freu ich ich, wenn Sie mich bei Twitter ansprechen.

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