Was macht einen guten Krisenstab aus?

Guter KrisenstabEs gibt gute und schlechte Krisenstäbe. Auch, wenn ich kein Fan von Bewertungen bin, muss ich doch sagen, dass ich Stäbe erlebe, denen ich ein gutes Krisenmanagement zweifelsfrei zutraue und andere, bei denen ich sehr skeptisch bin, ob sie eine Lage im Griff haben könnten.

Welche Aspekte sind das, die einen “guten” Krisenstab ausmachen? Ich hab mir mal Gedanken dazu gemacht und die aus meiner Sicht relevanten Punkte zusammengestellt.

Die Faktoren, die ein gutes Krisenmanagement ausmachen sind:

  • Ein gutes Team
  • Ausreichend Ausbildung und Praxiserfahrung
  • Eine hilfreiche Fehlerkultur
  • Preparedness / Vorbereitet sein
  • Kontakt zu anderen Partnern

Die einzelnen Punkte erläutere ich im Folgenden.

Ein gutes Team

Für mich steht und fällt jede Arbeit mit einem guten Team. In der Krise mit Menschen zusammenzuarbeiten, mit denen man sich schon im Alltag nicht grün ist, ist ausgesprochen schwierig. Ohne ein Grundvertrauen wird zwangsläufig die Qualität der Arbeit leiden.

Für dieses Grundvertrauen ist es erforderlich, dass sich die Stabsmitglieder kennen und einen wertschätzenden oder zumindest respektvollen Umgang pflegen. Konflikte, die aus dem Alltag mit in die Krise genommen werden, belasten jede Stabsarbeit. Insofern empfiehlt es sich, Auseinandersetzungen möglichst schnell aus der Welt zu schaffen.

Gemeinsame Erfahrungen, die die Menschen bereits in der Stabsarbeit gemacht haben, helfen ebenfalls weiter. Fortbildungen oder auch Echteinsätze, die gemeinsam gemeistert wurden, schweißen im besten Fall zusammen.

Ausbildung und Praxiserfahrung

Praxiserfahrung kann man natürlich nur erlangen, wenn denn eine Krise bestand, die im Krisenstab gelöst werden konnte. Ohne Krise, Großeinsatzlage oder Katastrophe kein Krisenstab.
Andersrum: Es gibt auch jede Menge Lagen, die unterhalb der Schwelle liegen, für die formell ein Stab benötigt wird. Aber auch die kann man in der Stabsstruktur abarbeiten. So trainiert man die Abläufe im Stab, lernt sich besser kennen und hat nicht mehr so große Berührungsängste. Mehr dazu finden Sie in einem Artikel, den ich vor einiger Zeit dazu geschrieben habe.

Unabhängig vom Ernstfall helfen Ausbildungen ungemein, die Stabsmitglieder zu schulen und das Team zu festigen. Die Bandbreite an möglichen Ausbildungen für Stäbe ist recht umfangreich.
Im Rahmen normaler Schulungen können sich die Stabsmitglieder schon intensiver kennenlernen, als das oft im Alltag möglich ist. Bei Stabsrahmenübungen oder speziellen Teamentwicklungsmaßnahmen, die auf die Stabsarbeit ausgerichtet sind, ist das noch deutlicher der Fall.
Und wie Sie sicher auch immer wieder feststellen: Wenn man mal zu einer Fortbildung oder einem Kongress war, in deren Rahmen man abends mal zusammen ein Bier oder ähnliches getrunken hat, hat das fast immer positive Auswirkungen auf die spätere Zusammenarbeit.

Einen Überblick über mögliche Stabsausbildungen habe ich hier beschrieben. Fangen Sie einfach an und suchen Sie eine passende Form aus. Jede Ausbildung ist besser als keine. Nebenbei: Ihr Haus wird davon nicht nur in der Krise profitieren; auch im Alltag wird Ihnen der verbesserte Kontakt zu Gute kommen.

Fehlerkultur

Ich habe vor einiger Zeit bereits einen Artikel dazu geschrieben: Uns würde in Deutschland eine andere Fehlerkultur ziemlich gut tun. Dabei geht es nicht darum, dass jeder unablässig Fehler machen soll. Nein, es geht darum, aus Fehlern zu lernen und diese ohne Schulddiskussionen als Ausgangslage zu nutzen, um besser zu werden. Denn Fehler machen wir alle. Wie sagt man? “Nur wer nicht arbeitet, macht keine Fehler.”. In unserem Land macht man sich oft hämisch über die Patzer anderer her. Das führt dazu, dass Fehler vertuscht werden, das System nicht daraus lernt und der Fehler im Zweifelsfall wieder und wieder geschieht.

Ein wichtiger Baustein für die Kultur im Stab ist die Unternehmens- bzw. Behördenleitung und im Stab konkret die Stabsleitung. Herrische Führungskräfte, die glauben, sie wären die einzige Person, die weiß, wo es lang geht, und die im schlechtesten Fall ihre Mitarbeiter*innen noch ständig lang machen, werden schnell alleine auf weiter Flur stehen. “Wenn der doch sowieso alles besser weiß, soll er doch zusehen, wie er klar kommt.”. Ja, wir sprechen von Erwachsenen. Und ja, so etwas habe ich bei der Stabsarbeit nicht nur einmal gesehen.

Sein Sie nachsichtig mit Fehltritten anderer. Gehen Sie davon aus, dass jeder in der Krise sein Bestes geben wird. Und machen Sie sich deutlich: Auch Ihnen passieren mal Fehltritte.

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Preparedness / Vorbereitet sein

Ein entscheidender Faktor neben den Menschen ist auch die angemessene personelle und sachliche Ausstattung. Alles, was ich oben dargestellt habe, hilft nicht, wenn die Rahmenbedingungen nicht passen.

Stellen Sie sich vor, Sie alarmieren den Krisenstab und niemand kommt, weil die Alarmierungstechnik falsch programmiert ist.
Oder Ihr Stabsraum ist nicht zugänglich, die Notstromversorgung tut es nicht oder irgendetwas anderes führt dazu, dass der Stabsraum nicht nutzbar ist.
Das Personal ist da, weiß aber seine Aufgabe nicht, hat die nötigen Unterlagen oder Technik nicht dabei.
Die Rechner fahren nicht hoch, weil gerade Systemwechsel stattfinden und Sie keinen Techniker erreichen können.
Sie erreichen beteiligte Partner nicht, weil sie die Kontaktdaten nicht abrufen können.

Ich könnte diese Liste endlos weiterführen. Soviel habe ich im Laufe meiner Zeit als Verantwortliche für die Stabsarbeit selbst erlebt oder als Referentin beobachtet. Daher ist es wichtig, die Prozesse im Stab zu planen und auch hin und wieder in echt zu testen. Vieles ist gut gedacht, klappt aber im Ernstfall dann irgendwie doch nicht.

Kontakt zu anderen Partnern

Sie werden für keine Krise alleine zuständig sein. Es gibt immer noch andere Partner, die sich ebenfalls um das Ereignis kümmern. Zwar mit einem anderen Schwerpunkt, aber es wird immer jede Menge Schnittstellen geben. Mit Ihnen können verschiedenste Einheiten beteiligt sein:

  • Unter-/ und übergeordnete Behörden (Gemeinde, Kreis, Mittelbehörde, Land, Bund)
  • Polizei, Feuerwehr, Kommunalverwaltung, Unternehmen

Um das Krisenmanagement rund zu machen, ist es zwingend erforderlich, die Lage gemeinsam zu bewältigen und sich gut abzustimmen. Am besten kennt man sich bereits, hat Zuständigkeiten und Arbeitsweise ausgetauscht und weiß, wie die anderen Beteiligten auch außerhalb der regulären Geschäftszeiten erreicht werden können. Vor allem die Krisenkommunikation sollte abgesprochen sein, damit Bürger und Presse den handelnden Akteuren vertrauen können.

Tauschen Sie sich im Alltag aus, planen Sie ggf. auch gemeinsame Fortbildungsmaßnahmen und binden Sie sich in Übungen gegenseitig ein.

Ihre Meinung?

Das waren aus meiner Sicht die wichtigsten Faktoren, die einen “guten” Krisenstab ausmachen.

Was meinen Sie dazu? Was macht für Sie einen guten Krisenstab aus? Sehen Sie das ähnlich oder haben Sie andere Erfahrungen gemacht? Ich freu mich über Ihren Kommentar unter dem Artikel.

Foto: Pixabay, rawpixel

Maike Kranaster

Fotograf/Copyright Lutz Kampert, Dortmund

Brauchen Sie noch Unterstützung dabei, Ihren Krisenstab zu einem “guten” Krisenstab zu machen? Ich unterstütze Sie gerne mit Beratung und Ausbildung.

Schicken Sie mir unverbindlich eine Mail an info(at)Maike-kranaster.de
oder rufen Sie mich an unter 0173-2531291. Ich freu mich auf Sie!

2 Kommentare

  1. Liebe Frau Kranaster, ich stimme Ihren Ausführungen zu 100% zu. Alle genannten Punkte zahlen auf die erfolgreiche Krisenbewältigung ein. Einen Punkt würde ich gerne noch ergänzen und zwar das der Krisenstab den Menschen vertraut die das Krisenmanagement Tag täglich betreiben und weiter entwickeln.
    Vielen Dank für guten Beiträge und ihr Engagement.
    Beste Grüße Dieter Zeller

    • Lieber Herr Zeller,
      damit haben Sie absolut Recht. Das ist ebenfalls wichtig, dass die Verantwortlichen und die Stabsmitglieder darauf vertrauen, dass diejenigen, die den Stab vorbereiten, einen guten Job machen. Ich würde das mit unter den Punkt “Gutes Team” packen. Aber das ist defintiv ein wichtiger Aspekt. Herzlichen Dank für die Ergänzung!
      Viele Grüße!

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