Die folgenden Gedanken kennst Du bestimmt: Ich könnte hübscher sein, dünner, besser trainiert, schlauer oder was auch immer sein.
Das Leben wäre gut, wenn ich erst XY erreicht habe. Jetzt ist es noch nicht gut genug. Es gilt erst noch dieses oder jenes zu schaffen.
Unser Selbstoptimierungswahn
Immer wieder kritisieren wir uns, treiben uns zu Höchstleistungen an. Auch, wenn wir eigentlich schon k.o. sind, muss der nächste Schritt noch gemacht werden.
Wir optimieren uns immer weiter. Leistung und Perfektion stehen auf dem Plan. In allen Lebensbereichen wollen wir ideale Ergebnisse abliefern und keine Kritikpunkte bieten.

Parallel dazu gönnen wir uns nichts. Alles, was wir tun, muss einem äußeren Zweck dienen. Alles, was wir machen, muss sich lohnen.
Wir machen nicht Sport, weil wir uns dabei glücklich fühlen, weil wir dann die Dynamik unseres Körpers spüren, weil wir Bock haben, uns körperlich zu verausgaben.
Wir verfolgen einen Zweck. Der Körper muss hinterher schöner und schlanker sein.
Das nächste Kilo muss unbedingt abgenommen werden und beim Sport darf es nicht nur ein normales, gutes Training sein. Nein, ein Marathon sollte schon drin sein.
Wir essen so, dass wir möglichst schlank bleiben oder besonders gesunde Sachen zu uns nehmen. Für Genuss ist dabei oft kein Raum.
Junge Frauen stehen Stunden vor dem Spiegel, um ihr schönes, faltenloses Gesicht mit falschen Wimpern, Cremes und Gedöns perfekt zu schminken. Es geht nicht mehr um die Freude daran, sich mit Wertschätzung selber ein wenig hübsch zu machen, sondern darum, perfekt auszusehen.
Im Job rennen wir den Idealen unserer Gesellschaft nach, wollen Karriere machen. Es gibt eine Idee davon, dass die nächste Beförderung uns zu mehr Zufriedenheit bringt, dass es dann endlich gut wird.
Und eigentlich strengen wir uns so sehr an, gehen immer wieder über unsere Grenzen, sowohl was die eigene Energie als auch die persönlichen Befindlichkeiten angeht.
Wir bleiben in Unternehmen, die uns überhaupt nicht gut tun, weil wir glauben, dass es so läuft im Leben. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“.
Der Job hat oft nichts mehr damit zu tun, etwas Sinnvolles zu tun und neue, spannende Dinge zu lernen. Es geht nur noch um das „Mehr, mehr, mehr“.
Wir besitzen so viel und sind doch nie zufrieden. Auch wenn wir ein größeres Auto kaufen oder die teure Handtasche, wird unser Leben dadurch nicht reicher.
Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde, haben ein Dach über dem Kopf, Zugang zu sauberem Trinkwasser und Essen. Und trotzdem sind wir nicht glücklich. Weil wir glauben, noch nicht gut genug zu sein, dass es noch besser geht.

Wir bekommen gar nicht mehr mit, was wir selber eigentlich wollen, weil wir uns so auf das konzentrieren, was andere von uns erwarten. Wir haben uns ungefiltert zumüllen lassen mit den Bildern, die uns die Werbung und die Gesellschaft so verkauft.
Wann sind wir gut genug? Muss immer alles perfekt sein?
Vergiss nicht: Wir haben nur eine begrenzte Anzahl von Tagen zu Verfügung. Und einen großen Teil davon verbringen wir damit, uns weiter zu optimieren. Was für eine Verschwendung! Irgendwann sind wir alt und klapprig und wünschen uns, wir hätten die guten und gesunden Tage zufriedener gelebt.
Wir vergleichen uns ständig. Bei niemandem aber ist alles perfekt. Das sehen wir nur nicht, weil wir uns nicht mit einer Person vergleichen, sondern mit allen. Bei jedem picken wir uns das raus, was an ihm besonders toll ist.
Der eine hat den Traumjob und ist erfolgreich. Dafür hat er aber eine chronische Krankheit, die ihm dauerhaft Probleme macht. Deine Nachbarin hat vielleicht die Traumfigur, aber dafür hat sie immer Pech in Beziehungen.
Die schlechten Dinge sehen wir aber bei anderen nicht. Wir bauen uns eine Idealperson aus allen guten Eigenschafte der Menschen, die uns umgeben.
Wir vergleichen uns viel zu viel und fühlen uns dann minderwertig, weil wir nicht perfekt sind. Dieser Perfektionismus macht so viel kaputt. Anstatt dankbar zu sein, dass wir einen kompletten, funktionsfähigen Körper haben, verlangen wir ihm so viel ab und sind oft so ungerecht zu ihm.
Wie wäre es mal damit, die Sichtweise zu verändern?
Unser Leben doch oft schon ziemlich in Ordnung. Nicht perfekt. Aber vieles ist doch sicher schon ganz gut, oder?
Schau, was an Deinem Körper, an Deinem Leben schön und gut ist. Und damit meine ich nicht, was perfekt ist, sondern, was in Ordnung ist.
Auf Schulnoten übertragen: Eine gute Drei reicht, es muss nicht immer die Eins mit Sternchen sein.
Ja, der Job könnte idealer sein. Aber immerhin hast Du einen.
Du hast 10 Kilo zu viel auf den Hüften. Aber Dein Körper funktioniert gut und macht Dir vieles möglich.
Deine Fingernägel sind nicht perfekt manikürt. Aber dafür nutzt Du die Zeit, die Du sonst für die Maniküre aufgewendet hättest, zum Schmusen mit Deinen Kindern. Oder mit dem Hund. Oder einfach nur, um zur Ruhe zu kommen. Das hat doch auch was, oder?
Stell Dir vor, Du wärst so gut, wie Du bist
Wir machen mal ein Gedankenspiel:
Stell Dir vor, Du wärst jetzt schon gut genug. Dir würde nun jemand die Absolution erteilen, dass Du genau so gut bist, wie Du bist. Dass alles reicht und Du nichts mehr optimieren musst. Dass Du Dein Leben heute schon geniessen darfst und nicht erst noch irgendwas verbessern musst.
Beruflich bist Du da, wo Du bist, schon ganz richtig.
Du besitzt genau das, was Du benötigst.
Du hast genau das passende Gewicht für Dich.
Dein Hintern ist genau richtig wie er ist.

Setz Dich mal ungestört hin, mach die Augen zu und stell Dir vor, Du wärst absolut perfekt, so wie Du jetzt bist. Eine Autorität würde Dir sagen, dass das neue Schönheits- und Lebensideal genau an Deiner Person ausgerichtet wurde. Es gibt nichts, was verbessert werden muss. Du darfst glücklich sein, so wie Du jetzt bist. Keine Anstrengungen mehr, kein Optimieren und kein „Da geht noch was“.
Alles ist gut. Du hast alles erreicht, was Du brauchst.
Ich meine, wer entscheidet, nach welcher Autorität Du Dich mit Deinen Ansprüchen an Dich selbst richtest? Es muss doch nicht die sein, die Dir sagt, dass Du nicht okay bist. Nimm doch lieber die, die Dich prima findet. Du bist der Chef im Haus. Also entscheide selbst, wen Du rein lässt und wen nicht. Dein Leben, Deine Regeln.
Stell Dir vor, Du würdest die Energie die Du bis jetzt in die Perfektionierung Deiner Person investiert hast, darein stecken, dass Du Dir was Gutes tust. Und ich meine damit etwas, wonach Dein Innerstes wirklich lechzt.
Wäre das nicht eine schöne Vorstellung?
Wie, keine Ziele mehr?
Jetzt denkst Du vielleicht, dass das so auch langweilig wäre. Keine Ziele mehr zu haben. Nichts, worauf man hinarbeitet. Nichts mehr lernen müssen, sich nicht weiterentwickeln.
Ja, das stimmt. Das wäre schade. Und langweilig. Aber das meine ich gar nicht.
Du kannst Dir nach wie vor Ziele setzen. Aber Ziele, die Du für DICH setzt. Weil sie Dir Freude bringen. Weil sie Dich glücklich machen. Und das aus einer Haltung heraus, dass schon alles gut ist, wie es ist.
Wie ein super Eisbecher, auf den man mit einem Klecks Sahne noch das i-Tüpfelchen auftut.
Du und Dein Leben, Ihr seid schon perfekt. Vielleicht zu 75, vielleicht aber auch zu 95%. Natürlich geht es immer besser. Aber: Es ist schon jetzt gut genug.

Was meinst Du?
Wie findest Du die Vorstellung? Was macht so ein Gedanke mit Dir? Kannst Du Dir vorstellen, schon gut genug zu sein? Oder ist das bei Dir bereits so?
Ich würde mich freuen, wenn Du mir einen Kommentar mit Deinen Gedanken dazu hinterlässt. Denn ich finde, es ist ein schwieriges und wichtiges Thema. Insofern freu ich mich über deine Meinung!


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