Seit einigen Jahren lebt die Tradition der Raunächte wieder auf. Ich selbst begehe sie seit 2017 jedes Jahr. Dabei hat sich die Form, wie ich sie für mich gestalte, deutlich verändert über die Zeit.
Eins ist aber geblieben: Diese Zeit rund um den Jahreswechsel bietet mir den perfekten Raum, um zur Ruhe zu kommen, zurück zu schauen, Pläne zu machen und mich wieder tief mit mir selbst zu verbinden. Nach einem langen, vollen und trubeligen Jahr finde ich mit dem Jahreswechsel eine gute Gelegenheit, um die Lautstärke im Außen mal zu dimmen und meiner eigenen inneren Stimme mehr zu lauschen.
Wie auch du in dieser Zeit Ruhe und Klarheit für dich finden kannst, erzähle ich dir in diesem Artikel.
Jahresende – Anspruch und Wirklichkeit
Das ganze Jahr über geht es viel um das, was von uns erwartet wird, wo wir „besser“ werden sollen, was wir kaufen müssen, welche Karriere wir machen sollten, wie wir auszusehen haben, etc. Diese Anforderungen von außen sind oft so laut und lenken uns schnell von dem ab, was uns selber entspricht.
Und daher ist es so wichtig, dass wir uns zwischendurch mal Auszeiten nehmen, in denen wir möglichst wenige Verpflichtungen haben und es einfach mal fliessen lassen dürfen. Wo wir nichts leisten müssen, nicht im Außen sind. Uns selbst wieder mehr spüren dürfen. Fühlen können, was uns entspricht und was vielleicht auch nicht mehr. Was uns ruft. Wofür wir uns begeistern. Was uns gut tut.
Dafür eignet sich die dunkle Jahreszeit eigentlich wunderbar, weil unsere Körper und Seelen noch immer in den alten Mustern unserer Vorfahren ticken. Wir sind jetzt nicht so leistungsfähig, sind oft eher müde und haben das Bedürfnis, es uns zuhause gemütlich zu machen. Die Zeichen stehen auf ein wenig Rückzug und innere Einkehr.
Leider hat sich in unserer Gesellschaft die eigentlich stille Weihnachtszeit zu der für viele stressigsten Zeit im Jahr entwickelt. Im Job müssen noch die Jahresziele erreicht werden. Privat scheint es normal, unglaublich viel Zeug einkaufen und verschenken zu müssen. Das Fest soll perfekt sein und die Anforderungen wachsen ins unermessliche. Gerade wir Frauen stehen daher oft unter großem Leistungsdruck, für alle ein tolles Fest zu gestalten.
Und die Frage an der Stelle ist, ob wir das wirklich wollen. Denn eigentlich ist es doch auch hier meist so, dass die wirklich wichtigen Dinge etwas ganz anderes sind, als das, was uns in den Werbeclips suggeriert wird.
Insofern schau doch mal, ob du nicht ggf. spontan noch ein bisschen Aktivität reduzieren kannst. Tu nur das, was jetzt wirklich noch gemacht werden muss, reduziere Erwartungen und schieb vielleicht die ein oder andere Sache, wenn möglich, ins kommende Jahr.
Und zusätzlich kannst du dieses Jahr mal gezielt darauf achten, was dir in dieser Zeit wirklich dient. Nach welchen Aktivitäten bist du erfüllt? Was lässt dich eher leer zurück? Das wahrzunehmen ermöglicht uns dann zumindest im kommenden Jahr besser für uns zu sorgen und unsere Zeiten entsprechend zu planen.
In die Stille kommen
Wenn wir es schaffen, unsere To-do-Listen ein wenig abzuspecken, können wir die kommenden Wochen rund um die Wintersonnenwende am 21. bzw. 22. Dezember nutzen, um uns vom Jahr zu erholen und Klarheit zu erlangen. Mit Weihnachten und Silvester haben wir einige Feiertage, die uns im besten Falle ein bißchen freie Zeit schenken. Vielleicht hast du zusätzlich auch in der „Zeit zwischen den Jahren“ Urlaub oder kannst es zumindest ruhiger angehen lassen.
Ich fand diese Zeit im Jahr immer schon irgendwie magisch: Vor Weihnachten werden wir irgendwie durchlässiger und sentimentaler. Wir haben einen guten Zugang zu unseren Gefühlen und können den Verstand mal ein wenig zur Seite schieben.
Die Tage nach dem Fest haben wir das Gefühl, das alte Jahr ist vorbei und das neue noch nicht da – wir hängen ein bisschen im luftleeren Raum. Nie ist es einfacher, sich ein wenig aus der Welt auszuklinken als jetzt. Niemand will was von uns, viele von uns…


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